Im April und Mai 2019, hatte das Alumni-Team Verstärkung von einem Praktikanten des Landesbildungszentrums für Blinde in Hannover. Florian Weiß hat uns sechs Wochen lang in unserer täglichen Arbeit begleitet und unterstützt. Nicht nur für ihn war es spannend, auch für uns war es eine neue Erfahrung mit jemandem zu arbeiten, der eine ausgeprägte Sehbeeinträchtigung hat. Wir haben viel dazu gelernt und unsere Umgebung und Arbeitsumfeld mal aus einer anderen Perspektive wahrgenommen. Wie hat Florian Weiß diese Zeit erlebt? Was ist ihm an der Arbeit und der Stadt Göttingen aufgefallen? Hier sein Erfahrungsbericht:

Zum Arbeiten am Computer, benutze ich eine Vergrößerungs-Software, diese funktioniert ähnlich wie die Zoom-Funktion bei einer Kamera

Mein Praktikum im Alumni-Büro der Georg-August-Universität in Göttingen

Im Rahmen meiner Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement absolvierte ich, für den Zeitraum von sechs Wochen ein Praktikum im Alumni-Büro der Universität Göttingen.Vielleicht sollte ich mich erstmal vorstellen, mein Name ist Florian Richard, ich bin 29 Jahre alt und ich wohne in der Nähe von Einbeck. Was noch wichtig ist, ich habe eine stark ausgeprägte Sehbeeinträchtigung. Man könnte sagen, dass ich fast blind bin. Aufgrund dieser Tatsache ist mein Ausbildungsbetrieb das Landesbildungszentrum für Blinde in Hannover und kein beliebiges Unternehmen.
Doch eigentlich wollte ich darüber berichten, wie viel Spaß ich im Alumni-Büro hatte und auch einen Eindruck von meiner Arbeitsweise vermitteln. Wie viele andere Leute auch, nutze ich die öffentlichen Verkehrsmittel, um meinen Arbeitsort zu erreichen. Hierbei fiel mir auf was Göttingen für eine tolle Stadt ist. Ein Beispiel: die Radwege sind gut vom restlichen Bürgersteig zu unterscheiden. Auch architektonisch hat Göttingen einiges zu bieten. Besonders gut gefielen mir die historischen Gebäude, wie die alte Mensa, am Wilhelmsplatz, als auch die vereinzelten Fachwerkbauten in der Innenstadt. Letztere schaute ich mir, sofern ich nicht von meinen Kollegen zum Essen eingeladen wurde, bei einem Spaziergang in der Mittagspause an.
Zum Arbeiten am Computer, benutze ich eine Vergrößerungs-Software, diese funktioniert ähnlich wie die Zoom-Funktion bei einer Kamera. Jedoch mit dem Unterschied, dass man nur einen Ausschnitt des Monitorbildes sieht. Doch mit etwas Übung findet man sich auf dem Desktop schnell zurecht. Die Aufgaben gestalteten sich abwechslungsreich und die Mitarbeiter waren freundlich. Selbstverständlich gab es Anfangs zu meiner Sehbehinderung einige Fragen, welche aufgrund der offenen und kommunikativen Haltung des Teams, beziehungsweise vom mir, schnell geklärt waren.

Begegnungen im Alltag müssen gefördert werden, um möglicherweise existierende Ängste oder Vorurteile zu beseitigen

Es ist besonders wichtig, ohne Scheu über Themen wie die Integration von körperlich eingeschränkten Personen in die Arbeitswelt zu sprechen. Begegnungen im Alltag müssen gefördert werden, um möglicherweise existierende Ängste oder Vorurteile zu beseitigen. Das Praktikum im Alumni-Büro der Georg-August Universität hat mir einmal mehr gezeigt, dass diese Aufgabe nicht so schwer ist, wie man zuerst denken mag, sie muss nur angegangen werden.

Florian Richard Weiß

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