Am 14. Mai 1881 begann die sogenannte Bierrevolution. Damals, also 1881, versuchte die königlich-preußische Polizeidirektion zu Göttingen den allnächtlichen, stets lautstarken Umtrieben der Studenten in den Göttinger Weinstuben Herr zu werden. Ihre Idee: die Einführung einer Sperrstunde. Diese Idee führte zu heftigen Protesten der Studenten, mit denen sich nicht nur die Wirtsleute sondern auch andere Teile der Bevölkerung anschlossen.

Als am 15. Mai 1881 die Polizeistunde zum ersten Mal in Kraft treten sollte, übervölkerten die Studenten am Abend des 14. Mai die Lokale. Die Kellner hatten Mühe, jede bierdurstige Kehle zu versorgen. Als um Mitternacht die Sperrstunde anbrach, begann die Polizei die Wirtshäuser
zu räumen. Aus Protest versammelten sich die Studenten auf der Groner Straße und marschierten laut singend die Weender Straße hinunter. Zahlreiche Studenten wurden verhaftet und es dauerte nicht lange, bis der Karzer - also das Universitätsgefängnis - heillos überfüllt war. Göttinger Bürger versorgten die im Karzer inhaftierten Studenten über provisorische Seile aus Krawatten, Hosenträgern, Gürteln und Taschentüchern mit Bier. Daher der Name "Bierrevolution".
Am nächsten Tag ging die "Bierrevolution" weiter. Die Polizeiwache in der Nikolaistraße wurde gestürmt, sämtliche Fensterscheiben im Haus des Oberbürgermeisters eingeworfen, keine Straßenlaterne blieb heil. Neben dem Karzer mussten nun auch andere Gebäude für die Inhaftierung der Studenten dienen. Am 17. Mai wurde die Lage so ernst, dass der Oberbürgermeister militärische Hilfe anforderte. Das war das Ende der "Bierrevolution".

Am 19. Mai entließ man die verhafteten Studenten. Die Rädelsführer wurden zur Rechenschaft gezogen: Einige wurden der Universität verwiesen, andere mit Geldstrafen oder zu Gefängnisstrafen verurteilt. Zwei Studenten entzogen sich diesem Schicksal und flüchteten nach Brasilien.

Text: Social-Media Team Universität Göttingen

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