Wie kann man Forschung allgemeinverständlich machen? Wir haben eine gefragt, die das wirklich gut kann. Charlotta Lorenz gewann 2018 den Lehrpreis der Fakultät für Physik, der für sehr gute Übungsleitung an Studierende und Promovierende vergeben wird. Sie spricht nicht nur darüber, wie man Forschung „allgemeinverständlich übersetzt“, sondern demonstriert es auch gleich am Beispiel ihrer aktuellen Forschung in der Biophysik. Charlotta Lorenz erforscht in ihrer Doktorarbeit an der Universität Göttingen die mechanischen Eigenschaften von Proteinen.


Egal wie logisch ein Zusammenhang erscheint, fänden Sie es nicht selbst unglaublich langweilig, wenn jemand desinteressiert versucht, Ihnen etwas zu erklären? Einer der wichtigsten Punkte bei der verständlichen Erklärung von Wissenschaft ist Begeisterung. Selbst wenn am Ende ein “Ich habe es noch nicht ganz verstanden, aber das ist super spannend!” herauskommt, ist das Interesse da, sich mit dem Thema zu beschäftigen und mehr zu verstehen. Grundsätzlich ist es hilfreich, Prozesse oder Zusammenhänge über Alltagsphänomene zu erklären, sodass sich die Zuhörer damit identifizieren können. Dafür habe ich bei meinem Vortrag bei der Nacht des Wissens 2019 Analogien aus dem allseits bekannten Bereich des Autofahrens gewählt - Zur Präsentation:
In der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Sarah Köster untersuche ich Proteine, die als ideale Kandidaten für „Sicherheitsgurte“ und „Stoßdämpfer“ in biologischen Zellen gelten. Eine biologische Zelle ist die kleinste lebende Einheit eines Organismus. Eine solche Zelle kann zum Beispiel während ihrer Fortbewegung sehr großen Kräften ausgesetzt sein – damit diese Kräfte abgefedert werden und nicht die Zelle zerstören und damit das Zellinnere nicht zu sehr durcheinander gerät, gibt es ein ganzes Netzwerk an fadenartigen Proteinen, die sehr dehnbar sind. Die Proteine können viel Energie absorbieren, agieren also als Stoßdämpfer und können so die Zelle schützen. Bei unseren Untersuchungen an diesen Proteinen werden sie steifer, wenn man schneller an ihnen zieht, ähnlich wie bei einem Sicherheitsgurt.

In meiner Promotion vergleiche ich zwei bestimmte Proteine aus dieser Proteinklasse “Sicherheitsgurte und Stoßdämpfer". Interessanterweise produzieren unterschiedliche Zelltypen, zum Beispiel Herzmuskelzellen, Neuronen oder Hautzellen, unterschiedliche Proteine dieser bestimmten Proteinklasse – vielleicht ist das also eine Möglichkeit für Zellen, ihre mechanische Belastbarkeit anzupassen? Mit optischen Fallen (Nobelpreis 2018!) schauen wir uns das Verhalten der Proteine unter Zugbelastung genauer an und simulieren es numerisch. Gerade haben wir gezeigt, dass zwei wichtige Vertreter dieser Proteinklasse tatsächlich unterschiedlich sind - zum Forschungsinhalt. Das Ergebnis ist zum Beispiel für die Wundheilung relevant. Dort fährt die Zelle die Produktion des einen Proteins hoch und verleiht der Zelle damit Widerstandskraft, wenn sie großen Kräften ausgesetzt ist.

Somit habe ich nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht Glück mit meinem Forschungsthema, sondern kann es auch mit Nicht-Experten diskutieren, unterhaltsame und einprägsame Bilder benutzen und die allgemeine Relevanz schnell vermitteln. Das ist für mich natürlich besonders motivierend, und ich schätze deswegen die besonderen Möglichkeiten für einen Austausch mit der Öffentlichkeit, den unsere Universität insbesondere durch Veranstaltungen wie die Nacht des Wissens ermöglicht. Dabei ist die Begeisterung auf Seiten der Besucherinnen un Besucher und der Teilnehmenden mitreißend. Die Universität fördert aber nicht nur dort die Vermittlung von Wissen. Ein anderes Beispiel ist der Lehrpreis der Fakultät für Physik, der für sehr gute Übungsleitung an Studierende und Promovierende vergeben wird. Diesen Lehrpreis habe ich im vergangenen Jahr für die Übung zum Thema „Biophysik” bekommen, denn die Studierenden fühlten sich von meiner Begeisterung für Biophysik angesprochen – eine sehr wichtige Rückmeldung für mich. Was gute Lehre auch ausmachen kann, habe ich selbst im Studium gelernt, aber auch während der Lindauer Nobelpreisträgertagung, die auch dieses Jahr wieder Studierende der Universität Göttingen besuchen durften.

Möchten Sie noch mehr über unsere Forschung in allgemeinverständlicher Form erfahren? Von den Studierenden unserer Universität gibt es den Forschungspodcast Mandelbrot Talks, für den ich einen Beitrag machen durfte.

Text: Charlotta Lorenz mit Unterstützung von Prof. Dr. Sarah Köster und Dr. Sophie-Charlotte August


Charlotta Lorenz promoviert aktuell in Biophysik bei Prof. Dr. Sarah Köster an der Universität Göttingen.
Twitter: @LottaLrnz

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