Am zweiten Samstag im Juni feiert Queen Elizabeth II. ihren offiziellen Geburtstag. Und was haben wir damit zu tun? Im 19. Jahrhundert gab es eine sehr ungewöhnliche Verbindung zwischen unserer Uni und einer ihrer Vorfahrinnen. Und diese Verbindung hieß Marianne Theodore Charlotte Heidenreich von Siebold.


Charlotte Heidenreich von Siebold gilt als erste Frauenärztin Deutschlands. Sie wurde 1788 geboren. Ihr Vater, der ursprünglich aus Göttingen stammte, war Amtsarzt in Darmstadt. Schon als Kind interessierte sich Charlotte für Medizin und las in den Büchern ihres Vaters über Anatomie und Physiologie. Ihr Vater unterrichtete sie auch theoretisch, während sie von ihrer Mutter, die in der Praxis ihres Mannes mitarbeitete, praktischen Unterricht bekam. Der Schwerpunkt in Charlottes medizinischer Ausbildung lag auf Geburtshilfe. 1811 kam sie dafür nach Göttingen und besuchte Vorlesungen der Göttinger Medizinprofessoren Friedrich Benjamin Osiander und Konrad Johann Martin Langenbeck. 1814 bestand Charlotte Heidenreich von Siebold in Darmstadt ihre Prüfung als Geburtshelferin. Nur drei Jahre später promovierte sie in Gießen zur „Doktorin der Geburtshilfe“.

Charlotte Heidenreich von Siebold genoss einen ausgezeichneten Ruf als Geburtshelferin und so kam es, dass sie 1819 als Geburtshelferin bei der Geburt von Queen Victoria im Kensington Palast tätig war. Und wie es das Schicksal anscheinend wollte, war Charlotte drei Monate später auch die Geburtshelferin vom späteren Ehemann der Königin, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Man könnte meinen, dass Charlotte Heidenreich von Siebold sich in ihrem Ruhm sonnte. Doch weit gefehlt. Sie arbeitete in Darmstadt in der Entbindungsanstalt ihrer Eltern, gab Unterricht für Hebammen, kümmerte sich aufopferungsvoll um Arme und sammelte Geld für das Darmstädter Bürgerhospital. Bis zu ihrem Tod 1859 lebte und wirkte sie in Darmstadt. Dort ist heute die Heidenreichstraße nach ihr benannt.

Und hier, an unserer Uni, gibt es in der Universitätsmedizin seit 2006 das Heidenreich von Siebold-Programm, das Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg zur Hochschullehrerin fördert. Mehr Infos zum Programm gibt es hier.

Text: Social-Media Team Universität Göttingen

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