Henrike Eymess lebt zurzeit in Brasilien. Die Deutschlandstipendiatin studiert an der Universität Göttingen Kulturelle Musikwissenschaft im Master. Für ihr Masterprojekt hat sie in Brasilien eine Feldforschung durchgeführt und an einem Publikationsprojekt einer Notenedition gearbeitet. Die Feldforschung wurde durch das Programm zur Steigerung der Mobilität von Studierenden deutscher Hochschulen PROMOS und das Publikationsprojekt über das Programm Kreativität im Studium gefördert (beide Programme von der Uni Göttingen). Das gesamte Projekt fand in Zusammenarbeit mit zwei brasilianischen Universitäten statt. Henrike Eymess gibt einen Einblick in die aktuelle Lage in Brasilien und erzählt wie sie und ihr Partner versuchen zu helfen. #ZumWohleAller


Spenden von Nahrungsmitteln an Müllsammler*innen in Brasilien

Zurzeit lebe ich mit meinem Partner und meinem ein Jahr alten Sohn in Paracuru, Ceará, Brasilien. Anfang März ist die Corona-Pandemie auch hier angekommen. Die Armut im Land, die auch vor der Pandemie schon groß war, wurde dadurch nur verschlimmert. Es gibt nur wenige Instrumente in der sozialen Absicherung, viele Menschen leben ohnehin an der Existenzgrenze.
Durch die starken Einschränkungen im öffentlichen Leben waren Tagelöhner die ersten, die von dem fehlenden Einkommen betroffen worden sind. Zwar hat die Regierung mittlerweile eine Notfall-Grundsicherung bewilligt, die faktische Auszahlung ist aber sehr langsam. Die Spende von Nahrungsmitteln war demzufolge eine erste notwendige Maßnahme, um Teile der Bevölkerung vor dem Hunger zu bewahren.
Viele Menschen haben sich daher solidarisiert und Nahrungsmittel gespendet und gesammelt und diese an die Ärmsten verteilt. Mein Partner und ich haben auch eine solche Initiative ergriffen. Wir haben privat Nahrungsmittel gekauft und bei verschiedenen Händlern der Stadt angeworben und eingesammelt. Aus den gespendeten Grundnahrungsmitteln (Reis, Bohnen, Öl, Mehl, Kaffee, Zucker) haben wir 15 Pakete zusammengestellt und diese an eine Gruppe von lokalen Müllsammler*innen gespendet. Deren tägliche autonome Arbeit besteht darin, recyclebaren Müll aus der Müllhalde zu sammeln und zu verkaufen.
Die Fotos zeigen die Übergabe der Pakete an die Empfänger der Spenden. Mein Sohn und ich waren bei der Übergabe nicht dabei, um uns angesichts der Pandemie nicht einem Risiko der Übertragung auszusetzen.

Henrike Eymess, Studentin der Universität Göttingen

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