Dr. Johannes Loxen, Alumnus der Fakultät für Physik, ist Gründer und Geschäftsführer der SerNet GmbH. Das Unternehmen ist auf IT- und Kommunikationssicherheit spezialisiert. Seit Jahren engagiert er sich als Mentor für Promovierende und studentische Start-ups. Als Unternehmer ist er Hauptsponsor des Gründungswettbewerbs „Lift-off“. Derzeit setzt er sich dafür ein, ein Alumni-Gründungsnetzwerk zu initiieren. Wir sprachen mit ihm über sein Engagement und wie er als Student sein eigenes Unternehmen gründete.


KK: Du hast als Student dein Unternehmen, die SerNet GmbH gegründet - was hat dich dazu gebracht?

JL: Ich bin ja nie selbst auf Ideen gekommen, sondern immer drauf gebracht worden. Als Studenten hatten wir 1996 einen Internetverein gegründet. Der hieß Kompetenzkreis Internet – KKI e.V. und sollte alle an der Uni, die sich mit Internet auskannten, zusammenbringen. Davon erfuhr die Stadt, die damals Berater für ihr Technologiezentrum brauchte. Als Verein konnten wir keine gewerbliche Tätigkeit anbieten. Ich stand damals gerade kurz vor Abschluss meiner Dissertation und wusste, dass ich in Kürze Geld brauchen würde. Also habe ich mich bereit erklärt, mich einzubringen. Zwei Freunde sagten auch gleich, sie wären mit dabei. Das war super, denn ich selbst hatte von der Technik gar keine Ahnung. Ich konnte eher Marketing und Vertrieb. Und so haben wir uns gegründet. Offiziell war am 8. April 1997 Notareintrag. Begonnen haben wir mit Schulungen. Was wir aber eigentlich wollten, war IT-Sicherheit für Firmenkunden – lieber große als kleine. Das musste sich natürlich erst entwickeln. Tagsüber haben wir also geschult und abends haben wir uns der Weiterentwicklung des Unternehmens gewidmet. Mit Spindler & Hoyer hatten wir einen ersten guten Kunden und von da hat sich alles weiterentwickelt. Unser Kommilitone Stephan Ferneding hatte damals schon acht Jahre lang sein Unternehmen (heute Accurion GmbH) und war sehr gut vernetzt. Das hat uns enorm dabei geholfen, Kunden zu gewinnen.

KK: Was war die größte Herausforderung in über 20 Jahren Unternehmensgeschichte?

JL: 2001 war das Geld alle, 2005 war das Geld alle und 2016 war das Geld alle. Damit musste man dann umgehen. Ich musste ja erst einmal ganz viel lernen, im ersten Fall über Liquiditätsplanung. Ich hatte jede Menge Geräte eingekauft, die lagerten da und es war kein Geld für irgendwas Anderes mehr da. Ich bin Physiker, kein BWLer. 2004 hatten wir dann so ein erfolgreiches Jahr, dass wir viele neue Leute eingestellt haben. Die Auftragslage hat sich aber in 2005 nicht sofort fortgesetzt. Damals konnten wir zum Glück alle Kollegen überreden, das 13. Gehalt zu stunden und auf den Januar zu schieben. Dadurch war es möglich, dass unser Jahresabschluss nicht in die roten Zahlen rutschte. Dann war 2016 wieder das Geld alle, weil wir so viel in unsere neue Compliance-Software gesteckt hatten. Das war eine wirkliche Krise und ist jetzt noch nicht lange her. Auch damals konnten wir durch eine sehr gute Auftragslage das Geld wieder einspielen und seitdem hat sich alles gut entwickelt. Mir ist es dabei wichtig, unabhängig von den Banken zu bleiben!

Es gibt aber auch heute jeden Monat etwas Neues, wo ich noch reinwachsen muss.

KK: Du sprachst eben kurz von den Lernkurven, die du durchlaufen bist: Hast du dich irgendwann in Management-Skills weitergebildet oder war das alles "learning-by-doing"?

JL: Heute sind wir 61 Leute mit gutem und internationalem Umsatz – da reinzuwachsen hatte ich 23 Jahre Zeit. Es gab und gibt aber auch heute jeden Monat etwas Neues, wo ich noch reinwachsen muss. Wir haben auch von Anfang an Aufgaben ausgesourced, die nicht unser Kerngeschäft sind. Steuern, Recht, Lohnbuchhaltung, das ist alles ausgesourced an Partner, mit denen wir seit Jahren eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Wir schauen also genau: Wo brauchen wir die Kompetenzen selbst - und eignen die uns dann an. Und wo hingegen ist das nicht erforderlich und kann sinnvoller eingekauft werden. Bei der Gründungsberatung ist das übrigens immer ein großes Thema. Die wollen erstmal immer alles selbst machen, um Geld zu sparen. Da hast du dann soviel Zeugs an der Backe, das hemmt enorm und ist auch schwer, wieder loszuwerden.

KK: Die Digitalbranche ist die dynamischste überhaupt. Was bedeutet das für eure Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

JL: Wer weiß, was wir in fünf Jahren machen werden. Die Innovationszyklen in der Branche liegen bei fünf Jahren – wir müssen sehr wachsam bleiben. Das ist eine ständige Herausforderung. Gerade bei Technikern sind Strukturen und Arbeitsweisen oft eingefahren. Wir müssen Mechanismen einrichten, um das aufzubrechen. Wir übertreiben zum Beispiel gerne die notwendigen internen Umzüge alle paar Jahre, so dass möglichst viele Leute in neuen Räumen mit anderen Kolleginnen und Kollegen zusammen sitzen.

KK: Wo steht die SerNet heute?

JL: Wir ruhen in uns selbst. Wir sind unabhängig, ein kleiner Mittelständler mit 61 Mitarbeiter, organisch gewachsen. Ich glaube, jeder unserer Mitarbeiter würde sofort woanders unterkommen, wenn es uns nicht mehr geben würde, weil unsere Themen so gefragt sind.

Dumme Leute zweifeln nicht.

KK: Und wie kamst du dazu, Mentor für unsere Studierenden zu werden?

JL: Seit 2011 haben wir der HAWK jährlich ein Deutschlandstipendium gegeben – das war der erste Kontakt mit einer Hochschule in Göttingen seit ich meine Promotion abgeschlossen hatte. Dann kam das Mentoring-Programm "KaWirMento" der Uni, bei dem es darum ging, Promovierende davon zu überzeugen, dass sie fit für die Wirtschaft sind und keine Angst vor der großen Welt zu haben brauchen. Das Interessante ist ja, dumme Leute zweifeln nicht. Solch schlaue Zweifler bekam ich dann als meine Mentees. Es hat total viel Spaß gemacht, sie zu unterstützen, rauszufinden, welche Kompetenzen sie haben, und sie in diesen zu bestärken. Als nächstes kam das Mentoring für studentische Start-ups. Auch hier hast du es in der Regel mit ganz schlauen Leuten zu tun, die etwas bewegen wollen. Dadurch wird es ein Geben und Nehmen. Ich erzähle den Start-ups etwas, aber ich lerne auch selbst ganz viel. Ich kann mich mit anderen Perspektiven und Weltbildern auseinandersetzen und das ist unheimlich befruchtend.

KK: Ist das deine Motivation?

JL: Ich bin in Göttingen und muss oder kann überlegen, wie ich mich in den nächsten zehn Jahren mit meiner Zeit engagieren will. Meine Kinder sind aus dem Haus, meine Firma ist gut etabliert. Ich möchte in meiner Firma frühzeitig die Voraussetzungen für einen guten Übergang schaffen. Das bedeutet, dass ich mir schon jetzt allmählich mehr Freiräume schaffe. Alles, was ich außerhalb des Unternehmens mache, kann ich mir selbst aussuchen, ich bin dabei total frei – und viel freier als in meinem Unternehmen, auch wenn es mein eigenes ist. Ich suche mir nur das aus, was Spaß macht.

Potenzial nützt nichts, wenn es keiner schubst

KK: Wie sieht es mit dem Gründungspotenzial in der Uni aus – haben wir Potenzial?

JL: Potenzial ist so eine Sache. Viel Potenzial nützt nichts, wenn es keiner schubst oder wenn es keinen Eigenantrieb hat. Spannend ist also in der Uni eher die Frage, wie viele Leute etwas bewegen wollen und den nötigen Eigenantrieb haben. Wichtig ist dann, dass sie sich auch bewegen können, dass ihnen keine unnötigen Grenzen gesetzt werden. Und andererseits muss man auch gucken, wie und wo man jemanden anschubsen kann, damit etwas in Bewegung kommt. Beides sind Aufgaben der Gründungsförderung. In Göttingen gibt es die in der heutigen Breite noch nicht so lange – weniger als zehn Jahre. Dadurch gibt es noch keine Vorbilder. Klar wurde Sartorius vor über hundert Jahren auch mal aus der Uni gegründet und ist nun ein Global Player, das ist aber an der Stelle für studentische Start-ups keine Referenz. Der schmale Grat in der Gründungsförderung ist es, die Gründer nicht durch zu viel Unterstützung vom Selberlaufen abzuhalten. Wenn man alles für sie macht, werden sie sich selbst nicht bewegen und bleiben in der Gewohnheit stecken, von irgendwelchen Fördergeldern getragen statt unternehmerisch zu werden. Fazit: Das Gründungspotenzial an der Uni ist da – das liegt allein schon daran, dass so viele Menschen da sind. Ob das dann immer erkannt wird und ob der richtige Kick gesetzt wird, damit sich etwas von selbst bewegen kann, das ist die spannende Frage.

KK: Und so kommt es zur Idee für ein Alumni-Gründungsnetzwerk…

JL: Ja. Deswegen ist es eine gute Idee, Leute einzuladen, die Vorbilder sein können oder bereit sind, sich zu kommitten und eine Leistung einzubringen, damit wir in Göttingen an unserer Uni zusammen ein gutes Ökosystem für Start-ups etablieren. Es liegt auf der Hand, dafür Personen anzusprechen, die sich mit der Uni verbunden fühlen. Meine Idee ist also einfach der Netzwerkgedanke: Die Leute, die hier studiert haben, möchten wir für eine coole Sache aktivieren, die wir voranbringen wollen: die Gründungskultur. Da wir so viele Fakultäten haben, können wir durch das Netzwerk wahrscheinlich alle nur denkbaren Themenfelder mit Erfahrungswissen unserer Alumni bedienen. Das ist fantastisch!

Interview: Katharina Kastendieck, Leiterin Kooperation und Innovation


Alumni-Gründungsnetzwerk: Wenn Sie selbst Gründungserfahrung haben und mit uns die Gründungskultur an der Universität Göttingen stärken möchten, laden wir Sie ein, unter Ihren Alumni-Portal-Profileinstellungen das Interesse „Gründungsförderung“ auszuwählen. Informationen zur Gründungsförderung der Universität Göttingen.

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