FRAUEN UNTERNEHMEN! war der Leitgedanke der ersten Göttinger Alumnae-Konferenz. Das Themenspektrum reichte von Frauen und Diversität in Aufsichtsräten über feministische Social-Start-Ups bis zu der Frage, ob und wie sich weibliche Führung von männlicher unterscheidet. Deutschlandstipendiatin und Studentin Artemis Vasilakis war dabei und hat den Tag zusammengefasst.

Ich glaube, was an der Universität Göttingen besonders ist, ist die Stadt und das zivilgesellschaftliche Engagement, das an der Universität so ganz natürlich Teil ist.

Einblick in den Workshop „Medizinerin allein reicht nicht…“

Weitere Workshop-Zusammenfassungen folgen in Kürze.


1. Göttinger Alumnae-Konferenz: FRAUEN UNTERNEHMEN!

Vom Netzwerken, starken Frauen und einer inspirierenden Nachricht

Es ist der 7. März 2020. In der Paulinerkirche findet die erste Alumnae Konferenz in Göttingen statt. Eine Konferenz von Frauen für Frauen, mit dem Ziel ein Netzwerk aufzubauen, in dem sich Frauen gegenseitig in Sachen Entwicklung, Engagement und Karriere unterstützen können. Die Themen der Konferenz reichen von sozialem Engagement und Unternehmertum über Diversität in Aufsichtsräten bis hin zu Herausforderungen für Frauen in der Medizin.
Katrin Adt, Alumna der Rechtswissenschaften und Top-Managerin bei der Daimler AG, begeistert mit ihrem Vortrag: „Wie löchrig ist die gläserne Decke? Erfahrungen aus einem Großkonzern“. Man sieht nickende Köpfe und lächelnde Gesichter; der Vortrag wird mehrmals durch Applaus unterbrochen. Eine der Erkenntnisse aus dem Vortrag von Frau Adt: Frauen tragen die gläserne Decke teilweise selbst im Kopf. Um diese zu zerstören, braucht man Mut und Selbstvertrauen. Das erwünschte Ziel? Die Selbstgestaltung des Frauenbildes. Gerade in diesem Kontext sind Frauennetzwerke besonders wichtig, weil dadurch die fehlenden Vorbilder geschaffen werden, die vor allem jungen Frauen dabei helfen ihr Selbstbewusstsein aufzubauen.

Gemeinsam netzwerken ist gemeinsam Stärke zeigen nach außen, Hilfe zu kriegen, wenn ich sie brauche, von anderen zu lernen, die vielleicht erfahrener sind als ich.

Aber was genau steht eigentlich hinter dem Slogan „After all, networking is just a fancy word for socializing“? Warum ist Netzwerken nützlich und wertvoll? Tanja Dornieden, Alumna der Geowissenschaften und Mitglied des Alumnae-Konferenz-Komitees erklärt: „Man findet in solchen Netzwerken vielleicht die Menschen, die einen inspirieren, die einem gute Gedanken schenken. Man findet vielleicht auch die, mit denen man gut zusammenarbeiten kann oder man lernt Menschen kennen, denen man vielleicht helfen kann, irgendwo durch eine Tür zu treten.“

In den Augen des Studenten und Teilnehmers Gordon Mehmert ist Netzwerken geschlechterunabhängig vorteilhaft. Für ihn stehen Erfahrungsaustausch und Förderung im Vordergrund. Das sieht auch Unternehmerin und Teilnehmerin Martina Henn-Sax so: „Gemeinsam netzwerken ist gemeinsam Stärke zeigen nach außen, Hilfe zu kriegen, wenn ich sie brauche, von anderen zu lernen, die vielleicht erfahrener sind als ich […].“
Unter den mehr als 30.000 Ehemaligen, die Alumni Göttingen miteinander verbindet, ist der Aufbau solcher Netzwerke natürlich einfach. „Aus meiner Sicht stellen Alumni für uns als Universität eine wichtige Wissensquelle dar […]. Ich finde es aber auch wichtig, dass sich Alumni untereinander vernetzen können. Diese haben nämlich einen gemeinsamen Nenner, das Studium hier und so fällt es häufiger auch einfacher neue Leute kennenzulernen, sich zu fragen, was kann man voneinander lernen. Deshalb finde ich diese Formate wichtig.” erklärt Prof. Dr. Michael Wolff der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

Dass Göttingen ein geeigneter Ort für die Kreation solcher Netzwerke ist, erkennt auch Alumna und Migrant-Mama-Mitbegründerin Manik Chander: „Ich glaube, was an der Universität Göttingen besonders ist, ist die Stadt und das zivilgesellschaftliche Engagement, das an der Universität so ganz natürlich Teil ist […]. Vieles von meinem Engagement habe ich erst an der Universität Göttingen gelernt und die Menschen, die ich hier kennen gelernt habe, haben mir gezeigt wie Unternehmerinnentum funktioniert.” Sie betont zudem: „Manchmal braucht man das Gefühl ‚ich bin nicht alleine‘. Also meine Nöte, meine Probleme, damit bin ich nicht alleine. In diesen Fällen ist Vernetzen gut damit man das Gefühl hat ‚ich stehe nicht alleine da mit dem Problem‘. Ich glaube Vernetzen hilft dabei Lösungen zu finden, die zu uns passen.“

Es ist fast komisch, dass sich nicht alle Männer damit beschäftigen.

Eine weitere Perspektive, die die Wichtigkeit von Frauen-Netzwerken unterstreicht, präsentiert Prof. Dr. Michael Wolff, der einzige männliche Workshopleiter der Konferenz: „Als Betriebswirt sehe ich das natürlich auch noch aus einer ganz starken Ressourcenperspektive. Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten damit richtig gute Frauen zu finden, aber auch die Rahmenbedingungen zu schaffen. Deswegen fände ich es schön, wenn man langfristig ein Format schafft, wo sich weibliche Alumni darüber austauschen können, wie man eigentlich in Unternehmen oder in anderen Institutionen das besser gestalten kann, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen oder Kariere machen können.“ Auf die Frage, warum das Thema auch für Männer wichtig ist, antwortet er ruhig: „Da bin ich ganz egoistisch. Jede männliche Führungskraft muss sich überlegen wie bekommt es die besten Köpfe und dazu gehören eben auch Frauen. Von daher sollte sich auch jeder Mann darüber Gedanken machen, wie er in dem Bereich, in dem er Tätig ist, die Rahmenbedingungen schaffen kann, um Frauen aktiv zu fördern. Es ist fast komisch, dass sich nicht alle Männer damit beschäftigen.“

Zum Ende der Konferenz – nachdem erfolgreich Kontakte geknüpft wurden, nach den Workshops und Vorträgen – bleibt ein Gefühl zurück, das Tanja Dornieden perfekt in Worte fasst: „Was ich mitnehme sind sehr inspirierende Gedanken von spannenden Menschen. Ich nehme unglaublich viel Engagement und Feuer wahr, sehr viel von dem Willen was zu ändern, was im Guten zu bewegen, sehr viel Offenheit.“


Bericht von Artemis Vasilakis | Studentin und Deutschlandstipendiatin


Fotos: Peter Heller

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