Anke Martiny, ehemalige Bundestagsabgeordnete der SPD und Berliner Kultursenatorin, studierte in Berlin, Wien und Göttingen. Hier war sie während des Studiums ein Jahr als Musikkritikerin beim Göttinger Tageblatt tätig. 1965 wurde sie in Musikwissenschaften promoviert. Haydn war das Thema ihrer Dissertation. Nach dem Studium wurde Martiny Mutter von drei Kindern und engagierte sich politisch. 1972 wurde sie in Bayern in den Deutschen Bundestag gewählt. Dessern Mitglied blieb sie bis 1989 und wurde dann Senatorin bis 1990. danach war sie bei der Friedrich-Ebert-Stiftung tätig und leitete deren Büro in Tel Aviv. Nach freiberuflicher Tätigkeit als Journalistin seit 1997 ist Martiny seit 2002 im Ruhestand. Sie lebt in Berlin und ist dort ehrenamtlich für die Organisation "Transparency International" tätig. 2014 erschien ihre Autobiografie "... und vor allem muss man jederzeit als voller Mensch leben".



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Mein Wechsel an die Universität Göttingen hatte seinerzeit private Gründe: mein späterer Mann studierte in Hannover, und ich wollte nicht zu weit weg von ihm wohnen, außerdem an einer eher kleinen Universität möglichst intensiv studieren, um rasch fertig zu werden. Außerdem hatte das musikwissenschaftliche Institut Göttingen aber einen guten Ruf in dieser Zeit.



Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an......

Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an die intensiven Verbindungen meiner Familie an diese Stadt und diese Universität. In der Universitätsbibliothek sind eine ganze Reihe wissenschaftlicher Arbeiten von Mitgliedern meiner Familie vorhanden. Das macht mich stolz.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Es ist schwer, eine Auswahl zu treffen. Vielleicht dies: Ein musikwissenschaftlicher Kollege, der aber schon älter war, war ein Flüchtling aus Ungarn. Von ihm akzeptierte ich die Frage, was an meinem Studium eigentlich eine gesellschaftliche Relevanz besaß. Diese Frage hatte ich mir bis dahin nicht gestellt, sie hat mich hinsichtlich meines Handelns seither aber nicht mehr losgelassen. Diese Gedanken spielten später beim universitären „1968“ eine wichtige Rolle.



Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Besonders geliebt habe ich Spaziergänge um den Wall, besonders im Frühling.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Der Hochschullehrer, dem ich am meisten verdanke, ist Albrecht Schöne, dessen Vorlesungen zu den Höhepunkten meiner akademischen Ausbildung gehören. Ich hatte aber auch noch das Glück, Percy Schramm und Helmuth Plessner zu erleben, die mich hinsichtlich der schrecklichen nationalsozialistischen Vergangenheit sensibilisierten.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Mit Musik.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?

Wenn alle Bedingungen so wären, wie sie damals waren, würde ich dieselbe Fächerkombination wählen.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

„Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Verzagtheit, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim. 1,7).



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wiedersehen?

Vielleicht das „Elefantenklo“. Dort war ich als 10jährige beim Besuch der Großeltern.



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Das studieren, was ihnen am meisten Spaß macht und wo sie glauben, besonders stark und gut zu sein. Außerdem sollten sie sich für keine Arbeit, sei sie auch eintönig oder wenig interessant, zu schade sein. Irgendetwas Gutes kommt immer heraus.

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