Axel Saipa, ehemaliger Präsident des Regierungsbezirks Braunschweig, studierte in Göttingen und Berkeley (USA) Rechtswissenschaften. Der gebürtige Hann. Mündener war nach der Promotion unter anderem tätig beim Norddeutschen Rundfunk und als Oberkreisdirektor von Goslar. Heute ist der Jurist, Jahrgang 1943, Honorarprofessor der TU Clausthal und hat einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Da ich mich während meines Wehrdienstes beim damaligen BGS dazu entschlossen hatte, Rechtswissenschaften zu studieren und ich Niedersachsen nicht verlassen wollte, blieb Göttingen als einzige Juristische Fakultät unausweichlich.



Denke ich an Göttingen, denke ich an …

Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an den Jazzclub in Rosdorf, in dem ich gespielt habe, und das Fridtjof-Nansen-Haus, aber auch an das damals neue Juridicum und die guten Studienbedingungen.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Unvergesslich waren Vorlesungen von Claus Roxin im Strafrecht, der als Präsident der Karl May Gesellschaft dessen Werke strafrechtlich analysierte oder die von Peter Badura im Verwaltungsrecht, den niemand je anders als im anthrazitgrauen Anzug gesehen hatte, und die Aufnahme in sein Seminar und damit praktisch die Annahme als Doktorand sowie das Bestehen des Auswahlwettbewerbs beim DAAD für die University of California; natürlich auch das erste juristische Staatsexamen 1968 und dann im Juni 1971 der Besuch der stolzen Eltern nach erfolgreichem Rigorosum.



Was war ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Vom Nansen-Haus ging man zu Tante Minchen, wenn man nicht in diesem tollen Wohnheim mit 50% Ausländern selbst feierte, oder irgendwo draußen, vielleicht auch in Rosdorf, wo es gewaltige Portionen gab, oder das „Schiller-Theater“ nach Pastor Schiller in der kleinen Kirche in einem westlichen Ortsteil.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat sie besonders beeindruckt?

Mein Doktorvater Badura hat mich stark beeinflusst mit Blick auf das öffentliche Recht, vor allem auch das Staats- und Verfassungsrecht. Dennoch habe ich nach dem zweiten Staatsexamen sein Angebot abgelehnt, als Assistent zu ihm nach München zu kommen, weil ich in die Praxis wollte. Dass ich nach der Versetzung in den einstweiligen Ruhestand im April 2003 nach ca. 4 oder 5 Jahren Lehrbeauftragung an der neuen juristische Fakultät in Hannover (1978/1979 und 1982 bis 1984) und fünf Jahren Lehrtätigkeit an der TU Clausthal (1998 bis 2003) dort Honorarprofessor wurde, hat mich sehr gefreut. In Hannover und Clausthal lese ich heute noch und das neue Feld der Theorie wird durch 35 Jahre Praxis bestens „gefüttert“.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Offen gesagt, mit nicht viel. Denn mein „Jahrgang“ war nach 18 Monaten oder zwei Jahren Wehrdienst hoch motiviert, das Studium zügig zu schaffen.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heuten noch einmal studieren könnten?

Eindeutig noch einmal Rechtswissenschaften.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Ein Motto im engeren Sinne habe ich nicht. Mir ging es immer um Dienst an Staat und Gesellschaft und für die Menschen, um berufliches Vorankommen und die Förderung meiner Familie neben Hobbies wie Musik und Sport und wissenschaftlicher Nebentätigkeit.



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wieder sehen?

Da ich als Stadtdirektor (1980 bis 1992), als Oberkreisdirektor (1992 bis 1998) und als Regierungspräsident (1998 bis 2003) zu Sitzungen und Konferenzen, als Regierungspräsident dann als Aufsichtsbehörde für Stadt und Landkreis und als „Mutterbehörde“ für Polizei und als allgemeiner Vertreter der Landesregierung im Regierungsbezirk sehr häufig in Göttingen war, u.a. auch als Gründungsmitglied von „Alumni“, habe ich den Kontakt zur Stadt und zur Universität nie verloren.



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Konzentrierter studieren, Fächer vernetzen und über den Zaun des Fachbereiches schauen, die Lebens- und Berufswirklichkeit des jeweiligen Faches früher und intensiver erkunden und politisches Engagement betreiben.

« Dr. Regina Ruppert Stephan Schaede »