Bekir Alboga, am 3. Januar 1963 in Doganhisar bei Konya in der Türkei geboren, kam 1980 in die Bundesrepublik. 1982 begann er zunächst ein Germanistikstudium an der Selcuk Universität in Konya, danach studierte er zwischen 1984 und 1990 Islamwissenschaften, Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Osmanistik-Altaistik in Göttingen. Alboga arbeitete als Islamwissenschaftler, Bundesdialogbeauftragter und Referatsleiter für interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), der größten Religionsgemeinschaft der Muslime in Deutschland, die auch Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und des Nationalen Integrationsgipfels der Bundesregierung ist. Alboga ist verheiratet und drei Kinder.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Der wissenschaftliche Ruf der Universität Göttingen war mit einer Berühmtheit verbunden, die mir schon vor meinem Studium bekannt war. Bei einer Studienreise zur Uni Göttingen während meiner Ausbildung an der Kreisvolkshochschule Hann. Münden begeisterte mich die Universität auf den ersten Blick. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich innig und innerlich zu Allah betete, an dieser Universität studieren zu können. Die realistischen Einstellungskriterien für die Aufnahmeprüfung zum Studium ermöglichten mir dann tatsächlich mit meinem Abiturzeugnis eines Berufsgymnasiums aus meiner Geburtsstadt Doðanhisar und Immatrikulation an der Selçuk Universität in Konya den traumhaften Wunsch wahr werden zu lassen.



Denke ich an Göttingen, denke ich an …

Internationalität, Interkulturalität, Toleranz, Respekt vor dem „Fremden“ und Harmonie in Vielfalt, sowie an die Unibibliothek und an mein Seminar für Arabistik und Hochdeutsch!



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Jedes Mal die Freude mitzuerleben und unter den von Freude Erfassten zu sein, wenn eine Zeremonie der herangehenden Doktoranten nach Ihrem Rigorosum am Gänseliesel stattfand. Es bleibt für mich immer noch ein Wunsch, nach Erlangung meines Doktortitels in Heidelberg dort noch einmal vorbei zu gehen. Außerdem der traditionelle Protestgeist der Studierenden bei vielen Anlässen wie z. B. beim ersten Golfkrieg aber auch gewissen Politikern gegenüber, die die Göttinger Universität besuchten, bleibt für mich unvergesslich.



Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Neben meinem Seminarhaus und der Unibibliothek war es der islamische Gebetssaal der Muslime am Wilhelmplatz. In dieser „Hinterhofmoschee“ konnte ich mich mit Gemeindemitgliedern aus mehreren Städten der Türkei und vielen Studierenden und Doktoranden aus vielen Ländern der Islamischen Welt treffen und austauschen. Sie war ein Gebetssaal und eine Begegnungsstätte im wahrsten Sinne des Wortes. Auch meine erste Begegnung mit christlichen Gemeindevertretern erlebte ich dort.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Im Fachbereich der Islamwissenschaft haben mich die beiden Herren Prof. Bachmann und Dr. El-Schazli beeinflusst. Herr Prof. Koschwitz war in der Publizistik und Kommunikationswissenschaft für mich beeindruckend. Dessen Name bleibt bei mir in guter Erinnerung.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Treffen mit meinen Studienkolleginnen und Studienkollegen der Islamwissenschaft aus diversen Anlässen sowie ehrenamtliche Betreuung türkischer und muslimischer Migranten, wenn sie meine Hilfe und meinen Rat brauchten.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal studieren könnten?

Wenn damals am Theologicum neben christlicher Theologie auch das Studium der Islamischen Theologie angeboten worden wäre, hätte ich ohne Zweifel sie vor allen Fächern vorgezogen. Das Studienangebot der Sozialmedizin und Internationale Politik hatten mich auch sehr beeindruckt. Für mein Leben nach dem Studium und Berufsweg hat sich jedoch die Fächerkombination Islamwissenschaft / Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Osmanistik und Altaistik in der Tat als sehr realistisch erwiesen.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Unendlicher Optimismus eingebettet in das unendliche Vertrauen auf Allahs Barmherzigkeit und Seine Nähe, begleitet von kontinuierlicher Fleißigkeit. Freundlich, respekt- und liebevoll jedem gegenüber sein und Freundlichkeit, Respekt und Liebe von jedem annehmen.



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wieder sehen?

Wilhelmplatz, Unibibliothek, die beiden Fakultätshäuser, Gänseliesel und die neue Moschee.



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Studieren ist eine Gnade und eine Leistung für sich selbst und für die Mitwelt. Neugierig und wissensbegierig sein ermöglicht uns festzustellen, wie wenig wir wissen. Eins sollten sie nicht vergessen: das Studium darf die Reise des denkenden und forschenden Menschen in das Universum seines eigenen Wesens nicht unterbrechen. Gleichgültig was man studiert - wenn das Studium den Menschen von seinem Wesen des Menschseins entfernt, so dass er sich selbst vergisst, ist es eine unnütze Wissensaneignung, die weder sich selbst noch der Mitwelt etwas Gutes bringt. Der Prophet Muhammed sagt: „Der beste Mensch ist der, der den Menschen nützt.“

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