Edzard Reuter, Ehrenbürger von Berlin und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG, studierte in Berlin und Göttingen von 1947 bis 1952 Mathematik, Physik und Rechtswissenschaften. Nach einer Tätigkeit als Assistent an der Juristischen Fakultät der Freien Universität Berlin wechselte Reuter 1957 in die Wirtschaft und 1964 von der Bertelsmann-Gruppe zur Daimler-Benz AG. Bei dem Stuttgarter Unternehmen war der 1928 in Berlin geborene Jurist in verschiedenen Positionen tätig. 1980 übernahm er das Vorstandsresort Finanz- und Betriebswirtschaft, wurde im März 1987 stellvertretender und im September Vorsitzender des Vorstandes bis zum Ruhestand ab 1995. Seine berufliche Laufbahn war geprägt von weiteren Aufgaben in Leitungs- und Beratungsgremien deutscher und internationaler Unternehmen. Er ist Vorsitzender der nach ihm und seiner Ehefrau benannten Helga und Edzard Reuter-Stiftung sowie Mitglied im Stiftungsrat der Wissenschaftsstiftung Ernst Reuter. Der Jurist hat sich in verschiedenen Büchern mit Wirtschaftsthemen beschäftigt. Zuletzt erschien "Stunde der Heuchler. Eine Polemik" (Econ Verlag, 2010).



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Die politische Gefahr (1948) an der damaligen Berliner Linden-Universität.



Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an......

... den Winter 1948/49 im damaligen „Fritjof-Nansen-Heim“ und an die nach meinem Eindruck besorgniserregend konservativ-reaktionäre Atmosphäre in der Stadt.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Die Enttäuschung, einsehen zu müssen, dass mein Talent nicht ausreichte, um mich eines Tages für den Nobelpreis für Physik zu qualifizieren.



Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Der Bahnhof.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Der damalige Rektor Ludwig Raiser, dessen eindrucksvolle Persönlichkeit erheblich zum Abbau meines anfänglichen Widerwillens gegen die Georgia-Augusta beigetragen hat.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Durch den Umgang mit Kommilitonen.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?

Dasselbe: Jura.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Verantwortungsbewusstsein gepaart mit Freude am Leben.



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wiedersehen?

Das damalige Wohnheim (heutiges Goethe-Institut?).



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Scheuklappen und Hochmut vermeiden.

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