Gunter Dueck, geboren 1951 in Hildesheim, arbeitete bis 2011 im Wissenschaftlichen Zentrum der IBM in Heidelberg. Seit 1. September 2011 ist er als freier Schriftsteller und Redner tätig. Von 1971 bis 1975 studierte er Mathematik und Betriebswirtschaftslehre in Göttingen und ging dann nach Bielefeld. Nach der Promotion 1977 und Habilitation 1981 war er fünf Jahre Professor für Mathematik an der Universität Bielefeld. 1987 wechselte er als Forscher zum wissenschaftlichen Zentrum der IBM. Dueck ist IEEE Fellow, Mitglied der IBM Academy of Technology und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Zudem hat er mehrere Bücher verfasst. Dueck ist verheiratet und hat zwei Kinder.


Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?
Ich stamme vom Bauernhof in Groß Himstedt bei Hildesheim, da „musste“ man in Göttingen studieren, das sagten „alle“, obwohl es ja andere Hochschulen dort gibt, die näher gelegen sind. Ich wollte Mathematik studieren, da war Göttingen auch fachlich klar die erste Wahl. Und ich wollte unbedingt Wirtschaft als Nebenfach oder als zweites Hauptfach studieren – und nicht Physik wie alle! Das ging damals nur an vier Unis in Deutschland, darunter Göttingen.


Denke ich an Göttingen, denke ich an …
an Nörgelbuff, Göttinger Ekelpils (sorry, sagte man damals liebevoll und trank’s gern) und Bihun-Suppe, meine Vermieterin Frau Zuse, an die Diskussionsabende beim Ehepaar Caspari, die dafür ihr „Haus öffneten“, an die Wohnzimmeratmosphäre im Statistikinstitut in der Lotzestraße, wo gute Studenten einfach so wie Mitbewohner willkommen waren und bei Kaffee wild über Mathematik mitdiskutierten. Am lautesten war Lee Jones, dessen Stimme habe ich noch im Ohr. Das hat mich alles sehr geprägt!


Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?
Habe Monika, meine heutige Frau, kennen gelernt…einige Mathematiker hörten Musikvorlesungen als Studium Generale, ich machte dort sogar Scheine in Kontrapunkt und Harmonielehre, ohne ein Instrument zu spielen. Da waren auch einige Studentinnen vom Bibliothekars-Lehrinstitut…


Was war ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?
Potis zum „Juwezi-Essen“, und das einzige China-Restaurant (den Namen hab ich vergessen)


Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?
Erst Ulrich Krengel vom Statistikinstitut, später mein Doktorvater Rudolf Ahlswede, der dort als Gastwissenschaftler sehr belebend wirkte (man muss ihn kennen!). Ulrich Krengel verbreitete eine Forscher-Atmosphäre, ich war im Institut nie wirklich nur Student.


Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?
Außer Monika – ja was? Wir haben natürlich nicht nur diskutiert und Kaffee getrunken, sondern viel, viel Zeit mit Blitzschach im Institut verbracht. Ich sage nicht: vertan. Blitzschach oder Flippern reinigen das Gehirn und setzen es wieder auf Null zurück. So einen Reboot braucht man bei Mathematik bestimmt ein bis zwei Mal am Tag. Das verstehen Nichtmathematiker nicht und kritisieren „uns“ immer.


Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal studieren könnten?
Ich wollte mit 19 Jahren im tiefsten Herzen eigentlich Dichter werden, aber das traute ich mich nicht einmal zu Hause zu verraten. Mathe konnte ich am besten… Später habe während meines Werdegangs so viel Neues erlernt! Ich habe praktisch noch Informatik, Nachrichtentechnik, Philosophie, Psychologie und VWL „dazu genommen“, weil ich für meine vielen Bücher ungeheuer viel lesen musste. Und ich bin ja schlussendlich wirklich Nebenbei-Schriftsteller geworden! Tja, wenn ich mit Dichterwunsch heute neu anfangen sollte?! Ist wahrscheinlich egal, wie man anfängt, man muss es nur zum Ziel bringen.


Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?
„Früher oder später kriegen wir euch alle!“ Das ist vor Urzeiten eine Danone-Werbung für Joghurt gewesen – Mädel mit strahlenden Augen. So stelle ich mir vor, dass ich beharrlich, optimistisch und auch ein bisschen kämpferisch alles irgendwann schaffe.


Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wieder sehen?
Stegemühlenweg 53, wo ich die acht Semester lang wohnte.


Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?
An der Uni Göttinger habe ich in Mathe keine einzige schlechte Vorlesung gehört! Eine solche Kultur unter Hochschullehrern habe ich später anderswo nicht mehr so kennen gelernt. Die ist so wichtig! Und dann habe ich natürlich schon alles aufgeschrieben, als Artikel „Mathematik – eine Herzensangelegenheit“, den findet man schon von Google gescannt im Internet. Mit diesem Artikel beginnt seit vielen Jahren der Berufs- und Karriereplaner Mathematik. Ich schicke immer nur ein aktuelles Foto für Neuauflagen.

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