Hans-Joachim Galla, Direktor des Instituts für Biochemie am Fachbereich Chemie und Pharmazie der Westfälischen Wilhems-Universität Münster und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Biophysik, hat von 1969 bis 1973 an der Georg-August Universität Chemie studiert. Dem Diplom folgte 1975 die Promotion am Max-Planck Institut für biophysikalische Chemie.
"Mein Hobby ist unser Garten, in dem ich mich prächtig erholen kann, da man im Gegensatz zur Wissenschaft die Früchte seiner Arbeit direkt sieht", sagt der 1948 in Wietze bei Celle geborene Professor, der nach Stationen in Ulm und Darmstadt seit 1990 in Münster tätig ist. Der Vater von drei erwachsenen Kindern lernt außerdem mit seiner Ehefrau gerne neue Länder kennen.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Göttingen war mir als gebürtiger Norddeutscher als traditionelle und ehrwürdige Universität bekannt, die auch 1968 eher als ein Hort des Friedens an deutschen Universitäten mit der Gewähr eines ungestörten Studienablaufes anzusehen war. Dazu besaß die Universität Göttingen allgemein und besonders im Bereich der Naturwissenschaften einen ausgezeichneten Ruf. Der eher kleinstädtische Charakter mit starker Dominanz der Universität war für mich auch wichtig. So fühlte ich mich in Göttingen sofort gut eingebunden. Alles zusammen eine ausgezeichnete Wahl, die ich nie bereut habe. Im Gegenteil, mit Göttingen verbinde ich nur positive Erinnerungen.



Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an......

...das Gänseliesel. Dieses war immer Treffpunkt an Samstagen und natürlich Zentrum der Promotionsfeierlichkeit. Und an meine schulterlange gelockte Haarpracht.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Die Promotion mit anschließendem Corso der individuellen Promotionswagen zum Gänseliesel. Der Aufstieg mit Doktorhut unter dem Beifall der zufällig auf dem Platz vor dem alten Rathaus Anwesenden ist ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis.
Privat aber auch der Bezug der ersten gemeinsamen Wohnung mit meiner späteren Frau in der Holtenser Landstraße , was selbst im damals schon relativ aufgeklärten Göttingen unverheiratet durchaus nicht generell möglich war. Und dann natürlich die Geburt unseres ersten Sohnes.



Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Keine Frage: das Potis. Das hatte damals echten Kultcharakter. Wenn die Eltern zu Besuch kamen, gab es die grosse Zeusplatte, ansonsten nur Gyros mit Pommes. Mehr gab das studentische Budget nicht her, und das auch höchstens einmal im Monat.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

An der Uni Prof. H.G. Wagner mit seiner Gradlinigkeit und fachlichen Kompetenz. Am Max-Planck-Institut, wo ich meine Diplom- und Doktorarbeit angefertigt habe, Prof. Dr. Erich Sackmann, mein Doktorvater, mit seiner mutigen interdisziplinären Denkweise, die wesentlich zur Etablierung der Biophysik in Deutschland beigetragen hat. Und natürlich unser Institutsdirektor, Prof. Weller, der unserer Gruppe die Möglichkeit zur fachübergreifenden Zusammenarbeit und zum Aufbau innovativer Arbeitsgebiete gab. Als Studienangebot war damals die biophysikalische Chemie als Kooperation der Universität und des Max-Planck-Institutes oben am Faßberg wegweisend und stellte eine große Herausforderung dar.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Besuche im „Jungen Theater“. Wir haben keine Aufführung ausgelassen und die Theaterplakate schmückten wie Trophäen unsere Wohnung.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?

Da ich die richtige Entscheidung getroffen habe, gibt es nur eine Antwort: wieder das gleiche; Chemie mit Schwerpunkt biophysikalische Chemie. Vielleicht mit etwas stärkerer Einbeziehung der Mathematik.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Kreativität und Aktivität: Auf Ideen müssen Taten folgen!



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wiedersehen?

Wir sind immer wieder gern in Göttingen und ich freue mich über jede Einladung zum wissenschaftlichen Vortrag oder zu Tagungen in Göttingen, zu denen mich meine Frau immer gerne begleitet. Wir besuchen dann unsere damaligen Vermieter in der Holtenser Landstraße, zu denen wir auch nach mehr als 30 Jahren ein freundschaftliches Verhältnis pflegen. Ein Spaziergang durch die Altstadt und natürlich zum Gänseliesel ist schon fast ein Ritual. Und dann natürlich zum Essen ins Potis. Besuche in der damaligen Disco „Blue Note“ erzeugen nostalgische Gefühle, aber auch die Gewissheit, dass die Zeit an uns nicht vorbeigegangen ist. Aber wir fühlen uns dann immer wieder jung.



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Wenn man etwas wirklich will, kann und wird man es auch erreichen. Auch wenn viele nur über die schlechten Aussichtigen klagen und das heutige „Schwarzsehen“ auf der Fahne vor sich her tragen. Keine Zeit war wirklich gut oder schlecht. Optimismus und Glaube an die eigenen Fähigkeiten sind dabei essentiell. Dazu gehören natürlich Mut und häufig ein hoher Einsatz.

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