Hermann Schierwater, Oberstadtdirektor von Göttingen 1988 bis 2000, hat an der Georg-August-Universität von 1965 bis 1970 Volkswirtschaftslehre und Sozialwissenschaften studiert. Danach war der Diplom-Volkswirt bis 1977 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Soziologischen Seminar der Uni. 1983 wechselte Schierwater als Dezernent für Soziales, Jugend, Gesundheit und Wohnungswesen zur Stadtverwaltung Göttingen und wurde fünf Jahre später Oberstadtdirektor. Im Jahr 2000 begann er bei der Satorius AG in Göttingen als Leiter Konzernstrategie, Marketing und Kommunikation. Drei Jahre später wurde er Generalbevollmächtigter für Kommunikation / Konzernentwicklung und Zukunftsmärkte der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) in Karlsruhe. Seit 2008 war Schierwater, der im August 1943 im niedersächsischen Ehra-Lessien geboren wurde und im September 2010 überraschend verstarb, aktiver Rentner und plante ein "Büro für öffentlich-private Kooperation" in Berlin. Er war verheiratet und hatte zwei erwachsene Söhne sowie drei Enkelkinder. Als Hobbys nannte er Sport treiben wie Laufen, Fitness oder Fallschirmspringen, Musik hören und Ballett sehen.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Die Universität Göttingen war damals die Landesuniversität, für einen norddeutschen Provinzler so etwas wie ein selbstverständliches Ziel. Schon mein Großvater hatte hier studiert.



Denke ich an Göttingen, denke ich an …

…viele interessante Themen und Projekte, die ich hier mit gestalten durfte. Natürlich auch an die Universität und an Vieles, das ohne diese Universität gar nicht in Göttingen entstanden wäre.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Z.B. die Tumulte um die Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft an der Stadthalle im Juni 1969. Anderes unterliegt der Diskretion.



Was war ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Das Trou in der Burgstrasse.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Hans Paul Bahrdt, der große Stadtsoziologe. Die für mich anregendsten Studienangebote waren damals von Studierenden selbst organisierte während eines Vorlesungsstreiks 19967, unterstützt durch Assistenten der Lehrstühle.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Vor allem mit Sport, aber auch mit anderen geselligen Aktivitäten in einer großen, quirligen Studentenclique. Im Übrigen hat mich an den Wochenenden und in den Semesterferien die Arbeit auf dem Bauerhof meiner Eltern gerufen.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal studieren könnten?

Vermutlich dasselbe: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, in dieser Kombination. Aber ich hätte auch das gleiche Entscheidungsproblem wie damals, weil ich zugleich ein Faible für Technik und Naturwissenschaften hege.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Vielleicht nur eines der mich leitenden Prinzipien: "Es gibt nichts Gutes – es sei denn, man tut es!"



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wieder sehen?

Das alte Café Grewe nahe dem Weender Tor, das der unsinnigen Verbreiterung des unteren Nikolausberger Weges weichen musste.



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Starre nicht auf den Arbeitsmarkt, sondern studiere nach Deinen persönlichen Interessen und Fähigkeiten. Wage ständig den "Blick über den Tellerrand", also das "Studium Generale". Tu das alles mit Freude und Elan, dann wird später auch ein guter Job daraus.

« Dr. Johannes Schäfer Bernd Schleich »