Herwig van Nieuwland, Präsident des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg seit 2000, hat an der Universität Göttingen von 1970 bis 1975 Rechtswissenschaften, Volkswirtschaft und Politik studiert. 1981 wurde er promoviert; seine Doktorarbeit hatte die Schranken der Grundrechte zum Thema. Berufliche Stationen des Richters waren Braunschweig und Göttingen. Er ist Vizepräsident des Niedersächsischen Staatsgerichtshofes in Brückeburg. Der Jurist, am 25. März 1952 in Hardegsen geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder. Als Hobbies nennt er Familie, Segeln, Radfahren.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Da ich in Göttingen zur Schule gegangen bin (Felix-Klein-Gymnasium), mich die besondere Mi-schung aus Provinzialität und Weltoffenheit immer schon fasziniert hat und ich durch Sport und Politik vielfältige Bindungen an die Stadt hatte, gab es für mich eigentlich gar keine andere Wahl.



Denke ich an Göttingen, denke ich an …

... Bratwurst Glöckle und die Schillerwiese.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Eine Unmenge von sit-ins, go-ins, teach-ins und anderen Protestaktionen, die mein politisches Denken maßgeblich beeinflusst haben.



Was war ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Das alte "Filou" am Nikolausberger Weg, dort, wo jetzt die neue UB entstanden ist. Morgens ab 10.00 Uhr gab es bei Tee und Schmalzbroten nicht enden wollende politische Diskussionen, abends ging es im Keller in die Disco. Dazwischen fand die eine oder andere Lehrveranstaltung statt.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat sie besonders beeindruckt?

An erster Stelle ganz sicher mein akademischer Lehrer Professor Ralf Dreier, bei dem ich sechs Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig sein durfte und der mich mit der Präzision seines Denkens, seiner Fähigkeit zu messerscharfer Analyse und der Breite seiner Allgemeinbildung am nachhaltigsten beeindruckt hat. Ansonsten Professor Claus Roxin, der Präsident der Karl-May-Gesellschaft war und seine Strafrechtsfälle bühnenreif durch Anleihen bei Karl May präsentierte.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Durch eine scharfe Runde Doppelkopf, bevorzugt im "Krug zum grünen Kranze" oder in den "Gutenberg-Terrassen".



Was würden Sie studieren, wenn Sie heuten noch einmal studieren könnten?

Der damalige Dreiklang von Jura, Politik und Wirtschaft war für mich die richtige Entscheidung. Ich würde mich jederzeit wieder so entscheiden, allenfalls ergänzt um einige Semester Philosophie.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Ein spezielles Lebensmotto habe ich nicht. Je älter ich werde, desto mehr überzeugt mich aber die altchinesische Weisheit: In der Ruhe liegt die Kraft.



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wieder sehen?

Die Sammlung historischer Bücher in der Paulinerkirche und der alten UB.



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Nicht nur auf das schnelle Examen schielen, über den Tellerrand hinausschauen, die Freiheiten des Studiums nutzen und sich persönlich weiter entwickeln.

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