Johannes Theyssen, Vorstandsvorsitzender im Energiekonzern E.ON, hat von 1979 bis 1984 in Göttingen und Freiburg Rechtswissenschaften studiert. Der gebürtige Hildesheimer, Jahrgang 1959, war nach Studienabschluss als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Göttingen tätig und wurde während dieser Zeit promoviert.
Seine berufliche Laufbahn bei Energieerzeugern seit 1989 hat Stationen in Hannover, Helmstedt und München. Seit 2004 ist er in Düsseldorf in der E.ON-Zentrale tätig. Theyssen ist Vater von vier Kindern.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Prof. Hans-Ludwig Schreiber bot mir nach einem halbjährigen Forschungsaufenthalt im Jahr 1981 in Freiburg, bei dem ich ihm im Rahmen seiner Tätigkeiten am Max-Planck-Institut für Straf- und Strafprozessrecht näher kennenlernte, eine Nebentätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft an seinem Göttinger Institut für den Fall des Wechsels an. Nach 5 Semestern im wunderschönen Breisgau war dies ein zusätzliches gutes Argument um die zweite Studienhälfte in Göttingen zu planen, wo bereits meine Eltern in der Nachkriegszeit studiert hatten.



Denke ich an Göttingen, denke ich an …

… Heinrich Heine, kurze Wege und einige schöne Jahre.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Unter Berücksichtigung meiner späten Göttinger Jahre nach Studienabschluss ist es der Gegensatz der noch intensiv erlebten Zonengrenzlage mit nächtlichen Wanderungen entlang des Todesstreifens einerseits sowie des Mauerfalls und der emotional tief erlebten ersten Eindrücke des neuen Zusammenwachsens unseres Landes gerade in Göttingen und im angrenzenden Eichsfeld. Unvergessen bleibt für mich aber auch der Kuss für das Gänseliesel nach geschaffter Promotion.



Was war ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

In bescheidenen ersten Jahren war es der „Grieche Potis“ (viel Fleisch, wenig Geld) und später natürlich die schönen Besuche bei Mutter Jütte.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat sie besonders beeindruckt?

Natürlich mein akademischer Lehrer Hans-Ludwig Schreiber, aber auch seine weiteren Mitarbeiter, die heute an vielen deutschen Hochschulen lehren, und die straf- und arztrechtlichen Kollegen in Göttingen.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

An einem schönen Sommertag ein Ausflug nach Barterode zum Schwimmen im Kiessee oder ein abendlicher Bummel durch die Kneipen der Göttinger Altstadt.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heuten noch einmal studieren könnten?

Dasselbe durchaus noch einmal, aber gern zusätzlich ein breites Studium Generale mit Philosophie, Religion und Geschichte sowie Politik im ersten Studienjahr.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Ich bleibe auf der Suche nach einem solchen Motto und wenn am Ende nur die Suche bliebe so wäre dies vielleicht Motto genug.



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wieder sehen?

Das Juridicum, die eine oder andere Kneipe, in der ich gute Begegnungen und Stunden hatte, und der Göttinger Marktplatz am Samstag früh.



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Studiere das, was dir Freude macht und wo du dich entfalten kannst und glaube nicht, langfristig mit klugen Planungen bereits seinen Lebensweg bis zur Rente gestalten zu können. Verlasse zudem unbedingt die Heimat und nutze das Studium zum Neubeginn und suche mindestens die Chance für einen Ortswechsel, da durch jede neue Begegnung und jede neue Anregung mehr Fantasie freigesetzt wird als es viele Stunden mit Literaturstudium können.

« Dr. Peter Struck Jürgen Trittin »