Margot Käßmann, von 1999 bis 2010 Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, wurde am 3. Juni 1958 in Marburg/Lahn geboren. Nach der Schulzeit studierte sie dort ebenso wie in Tübingen, Edinburgh und Göttingen. Der Ordination im Jahr 1985 folgte 1989 die Promotion an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema "Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche". Nach beruflichen Stationen in Hessen und der Tätigkeit als Generalsekretärin für den Deutschen Evangelischen Kirchentag wechselte die Mutter von vier Töchtern als Landesbischöfin nach Hannover. Käßmann ist Mitglied in verschiedenen Organisationen wie der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Seit April 2012 ist sie Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 im Auftrag des Rates der EKD. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher.


Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?
Ich hatte schon vier Semester in Tübingen studiert und gerade ein Auslandssemester in Edinburgh hinter mir. Da habe ich überlegt: wohin jetzt? Göttingen hatte den Ruf, dass es eine wirklich gute, kreative theologische Fakultät dort gibt.


Wenn ich an Göttingen denke, denke ich sofort an......
Natürlich an das Gänseliesel. Das ist ein schönes Symbol und steht sogar in meiner Kanzlei – ein Geschenk bei meinem Antrittsbesuch als Bischöfin.


Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?
Wir haben als Studentinnen und Studenten ein „Fasten für den Frieden“ in der Jacobikirche gegen den Nato-Doppelbeschluss durchgeführt. So etwas hatte ich noch nie gemacht .


Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?
Wenn ich mich erinnere, Thanners – der letzte Vikarskurs hat mir gerade bestätigt, dass es das noch gibt. Und als Ort der Wall, wo es wunderbar war, einmal um den Stadtkern zu spazieren.


Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat sie besonders beeindruckt?
Mich hat ein Seminar bei Prof. Schaller über die Stellung der Frau im Urchristentum und seiner Umwelt beeindruckt. Da kam für mich zum ersten Mal die Frauenfrage vor im Studium.


Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?
Kino! Ich habe das so genossen, einfach jeden Film, der interessant schien, anschauen zu können. Daran denke ich heute noch mit Neid zurück.


Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?
Wieder Theologie. Das ist spannend, vielseitig, geisteswissenschaftliche Bildung, die heute oft unterschätzt wird an den Universitäten.


Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?
Es gibt nicht DAS eine, aber die Psalmen sind mir wichtig. Beispielsweise Psalm 27, 1. „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?“.


Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wiedersehen?
Einmal mit viel Zeit durch die Innenstadt bummeln, in der Deuerlich’schen Buchhandlung stöbern, das wäre nett.


Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?
Nehmt euch Zeit fürs Studium und genießt es. Es geht nicht nur um den Abschluss, sondern auch um eine Zeit, in der ihr viel wahrnehmen könnt, als Persönlichkeit reift. Habt den Mut, eine Vorlesung außerhalb eures Fachbereiches zu besuchen, das erweitert den Horizont.

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