Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages von1998-2009 und Mitbegründerin von Greenpeace Deutschland, hat in Göttingen und Hamburg Sozialwissenschaften und Mathematik studiert. 1994 wurde Griefahn Umweltministerin in Niedersachsen. Vom Landtag wechselte die SPD-Politikerin in den Bundestag für den Wahlkreis Soltau, Fallingbostel, Winsen/Luhe. Griefahn ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie wurde am 3. Oktober 1954 in Mühlheim/Ruhr geboren.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Ich wollte unbedingt in einer typische Studentenstadt studieren. In Göttingen habe ich mich für Sozialwissenschaften und Mathematik eingeschrieben, weil Göttingen den Abschluss zum Diplom-Sozialwirt anbot. Das war herausragend damals, und es gab mir eine größere Reputation als Soziologin. Auch für Mathematik hatte Göttingen einen guten Ruf. Aber außerdem ging auch meine Freundin nach Göttingen und wir konnten zusammen die erste Studienzeit antreten. Es war sehr angenehm, in einer neuen Stadt zu zweit aufzulaufen.



Denke ich an Göttingen, denke ich an …

...wunderbare Jazzmusik und an sehr lebhafte politische Diskussionen. Aber ich denke auch an den Abriss des alten Reitstalls, der einem Kaufhaus mit schrecklichen Fassaden weichen musste - Bausünden, die man heute sicherlich nicht mehr machen würde.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Das ist eindeutig die Ankunft der Chilenen, als Allende in Chile gestürzt wurde. Viele kamen nach Göttingen, und wir machten damals Sprachkurse in Spanisch und hörten Vieles über Revolutionen in Chile und in Kuba. Es war eine sehr politische Zeit.



Was war ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Ich war gerne in der Kneipe des Jungen Theaters und überall da, wo es Musik gab. Zum Beispiel sah man mich im Jazzclub, wenn Alexis Corner auftrat.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat sie besonders beeindruckt?

Für mich war alles neu, was mit Soziologie und Politik zu tun hatte. Bassam Tibi hat mich besonders geprägt, weil die internationalen Wissenschaften für ein Mädchen von einem Mädchengymnasium im Ruhrgebiet doch vollkommen neue Erfahrungen waren.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Wir haben stundenlange Diskussionen in meiner Wohngemeinschaft geführt. Dabei waren unter anderem Leute wie Jörg Krichbaum, der eine Literaturzeitschrift herausgebracht hat. Diskussionen waren in der Zeit eben das A und O.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heuten noch einmal studieren könnten?

Ich würde vielleicht auch wieder Sozialwissenschaften studieren. Aber reizen würde mich auch Archäologie, das wäre eine Alternative.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Attempto – ich versuch’s.



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wieder sehen?

Ein Gang durch das romanische Institut wäre nicht schlecht. Dort habe ich als wissenschaftliche Hilfskraft ein wenig nebenbei verdient – und ich hatte das Glück, französische Literatur und Zeitungen für das Studium lesen zu können.



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Sie sollten sich mit den Themen, die sie studieren, wirklich auseinandersetzen, kritisch hinterfragen und lernen zu argumentieren. Das ist oft wichtiger als stur auswendig zu lernen. Wir brauchen Kreativität, damit wir auch in Zukunft eine wache Gesellschaft sind, die Produkte entwickeln kann, die Strukturen schafft und fähig ist, Konflikte zu lösen und die Demokratie zu bewahren. Bei allem Fleiß, der nach den Studienreformen und der Einführung des Bachelor- und Master-Studienganges wahrscheinlich wichtiger ist als damals bei uns, sollte immer für diese Ziele gestritten werden.

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