Petra Schwille, seit 2011 Direktorin und Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried, setzte ihr in Stuttgart begonnenes Studium 1991 an der Universität Göttingen mit Physik und Philosophie fort. 1993 absolvierte sie in Göttingen ihre Diplomarbeit in Physik und promovierte anschließend am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie. Von 1999 bis 2002 war sie Juniorgruppenleiterin für experimentelle Biophysik des MPI. 2010 wurde die Physikerin mit dem Leibnizpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Ab 2002 war Schwille Professorin für Biophysik an der TU Dresden. 2005 wurde sie zum Max-Planck-Fellow des MPI für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden ernannt. Im Jahr 2011 erhielt Petra Schwille den Ruf an das Max-Planck-Institut für Biochemie in München. Sie ist dort seit April 2012 Direktorin der Abteilung "Cellular and Molecular Biophysics". Die 42-Jährige ist mit dem ehemaligen Nikolausberger Pastor Ulrich Braun verheiratet. Sie haben drei Kinder.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Ich wollte unbedingt nach dem Vordiplom (in Physik) Biophysik machen, und da lockte mich das MPI für biophysikalische Chemie als mögliche Adresse für die Diplomarbeit (bin aber tatsächlich erst zur Promotion dorthin gegangen)



Denke ich an Göttingen, denke ich an …

Meinen Mann, den ich dort kennengelernt habe, und meine erste Tochter, die dort geboren ist. Und an eine herrliche Studien- und Wissenschaftszeit.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Das waren so viele, dass es schwer ist, eines herauszusuchen. Aber ganz sicher der Morgen des 10. November 1989, an dem es plötzlich überall nach merkwürdigen Abgasen roch, und ständig dieses Knattern zu hören war. Bis wir dann die Trabis entdeckten, und am Nachmittag nach Duderstadt an die Grenze gefahren sind, um das Spektakel der beginnenden Wiedervereinigung mitzuerleben.



Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Ich war nicht so die Lokalgängerin. Aber der Salat „Primavera“ beim Italiener in der Groner Straße (Name weiß ich nicht mehr) war legendär. Und die arabische Pfanne im „Feuerstein“ (Ecke Wendenstrasse/Mauerstrasse). Ansonsten erinnere ich mich besonders gern an die Johanniskirche und die Johanniskantorei, in der ich mitgesungen habe, und an Ausflüge zu Weser und Werra, insbesondere zur Burg Hanstein.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Das war interessanterweise niemand aus der Physik, sondern Prof. Konrad Cramer und sein Hauptseminar über Kants „Kritik der reinen Vernunft“, das ich mir während meiner Diplomarbeitszeit „gegönnt“ habe. Eine Sternstunde meiner universitären Ausbildung!



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Mit Philosophie (s.o.), zumindest vom Lernen für mein „eigentliches“ Fach. Und mit Musik (Unichor, Studentenorchester, OGM, Johanniskantorei, Streichquartett…)



Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal studieren könnten?

Physik/Biophysik



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Sapere Aude! Und auch generell: Mut ist wichtig, für fast alles…



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wieder sehen?

Die Sandsteinfelsen im Reinhäuser Wald



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Nicht schon an die Rente denken. Und Freiheit höher schätzen als das Geld (nur jobben, wenn es gar nicht anders geht). Im Studium sollte jede(r) die Erfahrung machen, sein Leben weitestgehend frei gestalten zu können. Es ist mit Abstand die beste Zeit dafür.

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