Dr. Rainer Kallmann, geboren 1941 in Heilbronn, studierte von 1961 bis 1965 Rechtswissenschaften in Göttingen. Die Promotion folgte 1972. Ab 1985 war er Vorsitzender einer Großen Strafkammer, von 1992 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2006 Vorsitzender einer Zivilkammer. Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion war er 1977 und 1985. Von 1991 bis 2000 war er Oberbürgermeister Göttingens. Kallmann ist verheiratet. Er geht gerne in Konzerte und ins Theater sowie auf Reisen.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Mein Heimatort Wildeshausen ist traditionell auf das „Nachbarland“ Bremen ausgerichtet. Da Bremen damals aber noch keine Universität hatte, lag es nahe, dass ich mich an der (damals noch einzigen) Landesuniversität eingeschrieben hatte.



Denke ich an Göttingen, denke ich an …

… die zahlreichen Themen wie etwa die Südumgehung, die Konkurrenz zwischen Innenstadteinzelhandel und der „Grünen Wiese“, um die wir Göttinger seit Jahrzehnten kreisen, ohne so recht zu einem Ziel zu kommen.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Der friedliche Protest gegen den Abriss des Reitstallgebäudes, wo ich von meinen späteren Kollegen belehrt wurde, dass das bloße Sitzen auf einer Straße gewalttätig sein soll.



Was war ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Mein Lieblingslokal war der „Walliser Keller“, dessen Besuch man sich indes allenfalls einmal pro Semester leisten konnte; daneben der 2. Rang im Deutschen Theater.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Am meisten hat mich Prof. Franz Wieacker beeindruckt. Besonders angeregt hatten mich die Vorlesungen und Seminare in Deutscher und römischer Rechtsgeschichte.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Durch endlose und selten „zielführende“ Diskussionen im Kreis meiner Studienfreunde (und –innen) sowie durch Theaterbesuche und aktive Teilnahme am Studententheater in der früheren Universitätsfechthalle.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal studieren könnten?

Wahrscheinlich wieder Rechtswissenschaften und zusätzlich mittelalterliche Geschichte.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Eines meiner Prinzipien ist so drastisch formuliert, dass es hier nicht wieder gegeben werden kann. Druckreif ausgedrückt lautet es etwa dahin, dass mit zunehmendem Alter die persönliche Unabhängigkeit wächst.



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wieder sehen?

Da ich in Göttingen wohne, müsste es ein Ort sein, der heute nicht mehr existiert. Da fällt mir – wie vielen, die zu jener Zeit hier studiert haben – das ehemalige Café Greve ein, das der Verbreiterung des Nikolausberger Wegs zum Opfer gefallen ist. Auf Wunsch einiger Nostalgiker im damaligen Rat, zu denen ich auch gehörte, blieb nur der Zaunpfahl mit der Hausnummer 9 stehen, der aber heute auch nicht mehr zu sehen ist. Im Garten habe ich manche Stunde bei Bier und Pflaumenkuchen verbracht (vgl. oben Ziffer 6).



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Ich könnte heutigen Studierenden nur einen Tipp geben, wenn ich wüßte, wie man unbeschadet den Zwängen eines „verschulten“ Studiums entkommen kann. Einen solchen Weg weiß ich aber nicht. Im Übrigen sollte man nur das studieren, wozu man Lust hat. Auch sollte man keine Gelegenheit ungenutzt lassen, fächerübergreifend an der Allgemeinbildung zu arbeiten.

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