Dr. Renate Neumann-Schäfer studierte an der Georg-August-Universität in Göttingen Wirtschaftswissenschaften. Nach einem Auslands-Master-Studium an der Queen’s University Kingston / Ontario in Kanada arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Industriebetriebslehre und Rechnungswesen und wird in Göttingen promoviert. 11 Jahre verantwortete sie die Geschäfte der Alcan Packaging Singen GmbH am Standort bis sie 2009 in die Geschäftsführung der Putzmeister Holding wechselte. Zu ihren Freizeitaktivitäten gehören die Arbeit in ihrem Rosengarten, die Aktivitäten mit den Rosenfreunden der Bodenseeregion, Rotary Club, Ski- und Fahrradfahren; sie ist Präsidentin des International Packaging Institute (IPI) Schaffhausen / Neuhausen in der Schweiz, Hochschulrätin der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz und Mitglied der IHK-Vollversammlung Bodensee / Hochrhein.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Der gute Ruf der Georg-August-Universität mit bekannten Wissenschaftlern und Göttingen als traditionsreiche Universitätsstadt waren mir sehr wichtig.



Denke ich an Göttingen, denke ich an …

an spannende Diskussionen zu Wirtschaft, Politik und Hochschule im Kreis der Tutoren für Allgemeine BWL bei Prof. Barto Treis sowie mit meinen späteren Assistenten-Kollegen am Lehrstuhl von Prof. Helmut Kurt Weber in den Räumen des Öconomicums. Hier entstanden viele persönliche Freundschaften, die nach Jahrzehnten über weite Entfernungen heute noch bestehen. Wir haben auch einen Freundeskreis der ehemaligen Doktoranden gebildet, der sich als „kleine akademische Familie“ zusammen mit dem gemeinsamen Doktorvater und seiner Gattin jährlich in Göttingen oder auch zu Betriebsbesichtigungen an Industriestandorten trifft.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Der Tag des Rigorosums: meine gute mündliche Prüfung war vorzeitig beendet und es erwartete mich niemand zu diesem Zeitpunkt vor der Prüfungszimmertür. Es war
„moments of silence“ und der Gedanke an Abschied von Göttingen. Später kam die Kutsche zum Gänseliesel und es gab – damals noch ungewöhnlich - den schwesterlichen Kuss.



Was war ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Das Cafe Cron & Lanz war mein Lieblingsort und ich mache heute noch gerne dort einen
Zwischenstopp, um ein Stück Aida-Torte zu genießen, wenn ich nach Norddeutschland reise. Eine Gruppe von befreundeten Doktorranden arbeitete damals oft an Samstagen in der Bibliothek, traf sich zum Mittagessen in der Mensa und ließ danach bei Cron & Lanz bei Kaffee und Kuchen die Woche mit interessanten Gesprächen ausklingen.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Prof. Immenga (Rechtwissenschaften) - immer faszinierend ohne Manuskript vortragend- las nur Quellenangaben zu BGH-Urteilen ab - ist mein Vorbild für Vorträge.
Prof. Treis mit offener und aufgeschlossener Art - weit über die Themen der BWL
hinaus - hat meine Flexibilität, Konsens- und Kompromissfähigkeit entscheidend beeinflusst.
Prof. Jarchow mit enormer Dynamik, Enthusiasmus und Komplexität bei volkswirtschaftlichen Theorien – damals schon in der 7.00 Uhr Vorlesung im SS-Semester – hat mir vorgelebt, dass man nur mit Begeisterung und viel Herzblut in seinen Beruf erfolgreich und gut sein kann. Das immer strukturierte logische Vorgehen beim wissenschaftlichen Arbeiten von Prof. H. K. Weber ist auch das Erfolgskonzept für die Bearbeitung aller Probleme und Fragestellung in der Wirtschaftspraxis. Seine Denkweise und seine Industriebetriebslehre sind die Basis meines beruflichen Werdegangs in der Industrie.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Tagsüber ließ ich mich gerne durch erzählte Neuigkeiten vom Studieren abhalten. Am
Wochenende war es Sport wie Ski-Langlauf im Harz (ich kaufte meine ersten
Langlaufbretter für 80 DM in Göttingen), Tennis am Sportinstitut und Paddeltouren auf der Weser. Auch für Ad-hoc-Spaziergänge mit guten Gesprächen zum Bismarckturm oder zur Burg Plesse war ich immer zu begeistern. Durch Reisen ins Ausland - insbesondere USA- verlängerte sich meine Studienzeit.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal studieren könnten?

wieder eine breit angelegt Fächerkombination BWL/VWL/Recht und mindestens ein Studienjahr an einer nicht deutschsprachigen Auslandshochschule.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

„Die Zukunft liegt in unseren Händen“: ich habe über Prognose und Planung promoviert und arbeite gerne an strategischen Fragestellungen.



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wieder sehen?

Die neue Bibliothek, auf diesem Gelände parkte ich früher meinen R4.



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

  • Kein Studium am Wohnort der Familie, um unabhängig und selbständig zu werden;
  • Auslandssemester für eine neue Sicht auf Deutschland, Auseinandersetzung und
    Bewährung in einer anderen Kultur, Denken und Kommunikation in einer Fremdsprache
  • Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Theorien und Denkschulen, um im Berufsalttag
  • wo auch immer – in interdisziplinären Organisationen und multikulturellen Netzwerken
    erfolgreich zu sein.

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