Stephan Schaede, seit 2010 Leiter der Evangelischen Akademie Loccum, studierte nach der Schulzeit in Mainz und Hannover, in Tübingen, Rom und Göttingen Theologie und Philosophie. In Tübingen war er von 1991 bis 1998 Assistent am Lehrstuhl von Prof. Eberhard Jüngel. Sein heutiger Arbeitsort Loccum ist Schaede aus seiner Zeit als Vikar von 1998 bis 2000 bekannt. Von 2000 bis 2004 war er Pastor in Neuhaus im Solling. Im Jahr seiner Promotion 2002 erhielt er den Leopold-Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftler. 2009 schloss er sein Habilitationsprojekt "Der Mensch vor Gott am Anfang und Ende des Lebens" ab. Seit 2006 gehört der Theologe verschiedenen Forschungsgruppen und der Mitgliederversammlung der Evangelischen Akademien Deutschland an. Er hat an mehreren Akademie-Tagungen mitgewirkt, vor allem im Grenzgebiet zwischen Theologie und Biologie. Schaede, 1963 in Neuwied am Rhein geboren, ist verheiratet und hat eine Tochter aus erster Ehe. Als Hobbys gibt der Theologe Oboe, Singen, überhaupt die schönen Künste, Boccia, Wandern, Schwimmen und Lyrik lesen an.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Der Ruf der theologischen und philosophischen Fakultäten mit einigen wunderbar gelehrten und kauzigen Professorinnen und Professoren, die Schillerwiesen, altprovenzalische Liebeslyrik und die sehr spezielle Liebeserklärung Robert Gernhardts an seine Stadt, die mir Mut machte ausgerechnet in Göttingen trotzdem glücklich zu werden. Ich kam gerade von Studienzeiten aus Rom und es drohten durch nostalgische Sehnsucht nach Südlicherem ausgelöste Ortsdepressionen der heftigsten Art ...



Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an......

... die lärmenden Kühlaggregate der Laster vor meinem Studentenzimmer in der Levinstraße, an die Schafherden am Leineufer, die unnachahmlich ungemütliche Architektur der BBS Gewerbeschule auf dem Weg zur Stadt, Cron & Lanz, liturgisch endlich einmal überzeugend gefeierte Abendmahlsgottesdienste und eine vorzügliche Kino- und Theaterkultur in den ausgehenden 80er Jahren.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Die recht unkonventionelle Assistenz bei der Fertigstellung einer Zulassungsarbeit zur mittelalterlichen Frauenlyrik auf einem PC-Monitor mit bernsteinfarbenen Lettern.



Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Café Kadenz



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Das ist eine Frage, die vor quälende Wahlen stellt. Um nur eines zu nennen: Die theologische Sozietät des Joachim Ringleben in dessen bücherüberflutetem Arbeitszimmer unweit der Schillerwiesen. Dort wurden nicht nur vorzüglich unzugängliche Texte wie Hegels Ästhetik auf Herz und Nieren geprüft, sondern auch einmal im Jahr ein festlicher Braten in lukullischer Runde verspeist. Das nenne ich echte Geist und Leib durchdringende Wissenschaft! – Albrecht Schönes Faustvorlesung, ein Oberseminar zu Luthers Adelsschrift mit Historikern und Germanisten ... Konrad Cramers kritischer Geist ...



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Mit Italienischem aller Art, Musik oder einer Einladung auf ein Bier im Apex. Auch der nicht unbedingt anmutig zu nennende Innenhof der theologischen Fakultät hatte hohe Qualitäten, wenn nur die richtigen Personen dort die Stühle bevölkerten.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?

Keine Frage: Die faszinierendste und vielseitigste aller Disziplinen, deren Gegenstand es nach wie vor auf verlockende Weise in sich hat: Theologie! Für diese Disziplin ist es allerdings überlebensnotwendig, dass man in anderen Disziplinen querhören kann.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Leute, die nicht lachen können, können nicht nicht leiden. Sie sind keine ernsthaften Menschen. (F. Chopin)



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wiedersehen?

Den Rosenwinkel ...



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Sich auf die Tipps der „Alten“, überhaupt, sich auf Tipps auf keinen Fall zu verlassen, sondern weit genug von zu Hause, leidenschaftlich, möglichst auf eigene studierende Faust, mit dem Lesen und Studieren loszulegen.

« Axel Saipa Dr. Johannes Schäfer »