Sybil Schlepegrell, Journalistin und Übersetzerin, wurde als Gräfin Schönfeldt am 13. Februar 1927 in Bochum geboren. In Göttingen studierte sie von 1946 bis 1947 und später in Hamburg und Wien Germanistik, Kunstgeschichte und Englisch. Nach der Promotion kehrte Schlepegrell 1952 nach Göttingen zurück, um beim Göttinger Tageblatt ein Volontariat zu absolvieren. Danach war sie in Hamburg als Journalistin für die Magazine Zeit, Stern und Constanze sowie für das Fehrnsehprogramm des Norddeutschen Rundfunks tätig. Vier ihrer Bücher sind der Sachbuchautorin besonders wichtig: "Sonderappell", der einzige Bericht über den weiblichen Reichsarbeitsdienst in den Jahren 1944 bis 1945; "Astrid Lindgren", die erste deutsche Biographie; "Die Jahre, die uns blieben" über das Altersproblem; "Bei Goethe zu Tisch", geschrieben aus gemeinsamer Sicht von Literatur-, Kultur- und Kunstgeschichte. Schlepegrell ist Mutter von zwei Söhnen. Sie lebt, seit dem Jahr 2007 verwitwet, in Hamburg.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Ich lebte bei meinen Großeltern in Göttingen, ging von 1933-44 zur Schule (Lyzeum, RAD statt Abitur), 1946 Übergangsabitur und Zulassung zum Studium.



Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an......

An den alten Rohns.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Die Diskussionen mit den englischen Soldaten-Studenten. Die Freiheit, Vorlesungen der anderen Fakultäten zu hören. Die Freundschaften, die ein Leben lang hielten.



Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Lokale spielten vor der Währungsreform noch gar keine Rolle. Mein Lieblingsort war der Hainberg.



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Nicolai Hartmanns „Ethik“, die uns, die wir in umgearbeiteten und gefärbten Uniformen zu seinen Füßen, auf den Fensterbänken und den Stufen der Mineralogie saßen, klar machte, welche Barbaren wir geworden waren. Und die Vorlesungen von Einem und Heimpel, die uns nach den Phrasen der Nazi-Jahre das Quellenstudium lehrten.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Wenn jemand sagte. „Da gibt’s was markenfrei!“ und man sich anstellte für Maisbrot oder Blutwurst. Oder wenn, im Sommer, in einem Gartenlokal Tanz bis in den Morgengrauen angesagt war.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?

Wieder Germanistik, und Literaturgeschichte, Kunstgeschichte und Englisch.



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Das meiner Familie: Spero meliora.



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wiedersehen?

Das alte Redaktions- und Druckhaus vom Göttinger Tageblatt.



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

So kurz wie möglich studieren. Man lernt ohnehin sein ganzes Leben lang weiter.

« Bernd Schleich Dr. Gerhard Schröder »