Wolfgang Hartwig, seit 2006 Chef des eigenen Consulting Unternehmens auf dem Gebiet der Forschung und Mitglied in verschiedenen Aufsichtsräten von Pharma- und Biotechnologiefirmen in Europa, studierte von 1972 bis 1979 Chemie an der Georg-August-Universität in Göttingen. Der Duderstädter, Jahrgang 1951, wurde in Chemie und Pharmakologie promoviert und wurde für seine Doktorarbeit mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis ausgezeichnet. Anschließend war er als Post-Doc am Institut de Chimie des Substances Naturelles des CNRS in Paris tätig.1982 ging Hartwig als medizinischer Chemiker zur Bayer AG nach Leverkusen und übernahm in den folgenden Jahren mehrere leitende Funktionen, insbesondere Leitung des weltweiten Bayer Diagnostika Geschäfts und Leitung der weltweiten Bayer Pharma Forschung und Entwicklung. Der gebürtige Eichsfelder Hartwig war und ist Mitglied in zahlreichen Gremien und Ausschüssen wie im Senatsausschuss der Helmholtz Gemeinschaft oder dem Lenkungsgremium des Nationalen Genomforschungsnetzes. Sein eigenes Consulting Unternehmen gründete er im Jahr 2006. Seit 1999 ist Hartwig Honorarprofessor an der Universität Münster mit dem Fachgebiet Pharmazeutische Chemie. Hartwig ist verheiratet und hat zwei Söhne.



Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

Die hohe Reputation der Georg-August-Universität hinsichtlich Naturwissenschaften, Großinvestitionen in brandneue Chemieinstitute an der Tammannstrasse (Anfang der 70er) und auch die Studentenatmosphäre Göttingens.



Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an......

… an das Gänseliesel und den Kuss – weil es Winter war, wäre ich an ihr beinahe festgefroren.



Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Nächte im Labor, das „Heureka“ Erlebnis bei der Erfindung einer neuen Synthesemethode – aber auch: stundenlanges Kaffeetrinken mit Kommilitonen - losgelöst von allen Pflichten und natürlich: die Fahrt durch die Stadt im Doktorwagen mit Knallgasballons, die – zur Explosion gebracht – einen ohrenbetäubenden Lärm erzeugten.



Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Das Nörgelbuff mit seiner dichten, jazzigen Atmosphäre…



Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Prof. Schoellkopf mit seiner Kunst zu fordern, fördern und zu motivieren. Prof. Hoppe mit sehr klugen Ideen und seiner Hartnäckigkeit und Prof. Laatsch, dem ich als Anfänger ein über Wochen synthetisiertes Produkt im letzten Schritt verdorben hatte und er dies mit grosser Gelassenheit hinnahm.



Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Jede Ausrede war gut genug um mich davon abzuhalten, mit dem Lernen zu beginnen. Sobald ich jedoch im Lernprozess war, wurde alles andere ausgeblendet und es ging nonstop zur Sache.



Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?

Chemie für die Neugier, Geschichte zum Spass



Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Unkenntnis berechtigt zu den grössten Hoffnungen – aber im Ernst:
lieber kein Motto – man hält es nicht durch. Ich sehe es wie John Lennon: Life is what happens to us while we are making other plans."



Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wiedersehen?

Spät nachts durch die verlassene Altstadt gehen - vermittelt Geborgenheit und Frieden und die Welt bleibt draußen.



Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Hier kommt wieder einer von den Alten, um Euch zu sagen wie es geht: “fleissig lernen, aber auch nicht nur, das Leben dabei nicht vergessen etc.etc…" Nein, liebe Studierende, ich tue das nicht. Jede Zeit hat seine eigenen Gesetze . Es gibt keine Weltformel für Glück und Erfolg. Ihr macht es schon richtig – wenn Ihr nur wollt.

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